Jeder Fitnesstrainer kennt eine solche Situation. Eine Kundin beginnt mit Krafttraining: Ein bisschen Beinpressen, ein paar Kniebeugen und Ausfallschritte. Zwei Wochen später steht sie vor ihrem Trainer und fordert einen neuen Trainingsplan, da dieser sie wohl mutieren lassen würde. Sie ist der Annahme, dass sie von dem bisschen Training bereits riesige Oberschenkel aufgebaut hat. Aussagen wie: »Wenn ich so weiter trainiere, dann kann ich in einem halben Jahr an Bodybuilding-Meisterschaften teilnehmen!« oder »Wenn meine Oberschenkel und Waden noch dicker werden, sehe ich aus wie Arnold!« sind keine Seltenheit.

Das Arnold Schwarzenegger-Gen – Einbildung?

Bilden sich diese Damen das Ganze nur ein? Nein, sie sind auf dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen, nämlich straffer, schlanker und knackiger zu werden. An dieser Stelle müssten sie beglückwünscht werden, da sich der erste Trainingserfolg eingestellt hat.

Meistens ist es allerdings so, dass die Ladys ihren Trainer erst gar nicht fragen, sondern eigenmächtig diese Übungen weglassen. Viele Frauen sind dann nur noch auf den Ausdauergeräten oder in den Gruppenkursen zu finden. Ich möchte weder Ausdauergeräte noch Gruppenkurse schlecht reden, ganz im Gegenteil: Sie haben absolut ihre Berechtigung, ich möchte vielmehr darauf aufmerksam machen, wie wichtig Krafttraining ist.

Doch was ist wirklich passiert? Was lässt die Oberschenkel der besagten Damen auf den ersten Blick »kräftiger« erscheinen?

Verantwortlich dafür sind zwei Dinge:

  • Mikroentzündungen. An den durch Krafttraining »verletzten« Muskelfasern entstehen kleinste Entzündungen, welche wiederum Wasser einlagern.
  • Die Aktivierung der bisher schlummernden Kohlenhydratspeicher. Der Körper eines Durchschnittsmenschen ist in der Lage ca. 300g Kohlenhydrate in der Muskulatur zu speichern. Und 1g Kohlenhydrate bindet ca. 3g Wasser.

Falls du zu den betroffenen Damen gehörst, herzlichen Glückwunsch, du hast einfach deine Kohlenhydratspeicher in deinen Oberschenkeln aktiviert und darüber hinaus offensichtlich richtig trainiert. Nicht mehr und auch nicht weniger.

TIPP
Führe weiterhin Krafttraining durch. Denn der erste Trainingserfolg hat sich bereits eingestellt! Wenn du in einem Premium Fitnessclub trainierst, bitte deinen Trainer um eine Körperanalysemessung, die dein Körperwasser ausweist. In der Regel werden in solchen Clubs Eingangschecks gemacht und du hast die Möglichkeit, deinen aktuellen Körperwasserwert mit dem des Eingangschecks zu vergleichen.

Du wirst feststellen, dass dein Körperwasser sowie auch dein Muskelanteil gestiegen ist. Und noch etwas: Wie fühlen sich denn deine Oberschenkel an? Sind sie fester, straffer und knackiger geworden? Ganz bestimmt. Also, mach weiter, denn Muskeln verbrennen Fett und lassen dich knackig aussehen. Knochen und Fett können dies nicht!

Habe auch bitte in diesem Zusammenhang keine Angst vor der Zahl, die ganz oben auf der Waage steht: dein Körpergewicht. Dies ist nämlich möglicherweise gestiegen und resultiert in erster Linie aus Wasser, gefüllten Kohlenhydratspeichern und geringfügig gesteigertem Muskelgewebe. Achte vielmehr auf deinen prozentualen Körperfettanteil, dieser müsste nämlich gesunken sein. Behalte die Nerven, schaue mehr in den Spiegel als auf die Waage, mache eventuell Vorher-Nachher-Fotos und bleibe am Ball.

Fazit: Verantwortlich für die Umfangzunahme ist in erster Linie die vorübergehende »Einlagerung« von Wasser. Und zwar in Verbindung mit den Kohlenhydraten und den Mikroentzündungen, die durch richtiges Training entstanden sind. Achtung: dies hat nichts mit Wasserbeinen zu tun – es ist eine ganz natürliche Reaktion auf das richtige Training!

Und was ist mit dem »Arnold Schwarzenegger-Gen«?

Lass uns doch in diesem Zusammenhang einmal schauen, welches Gen, beziehungsweis Hormon, für den Muskelwachstum verantwortlich ist.

Es ist das männliche Sexualhormon Testosteron. Doch Testosteron alleine, lässt deine Muskeln nicht sprießen. Muskelaufbau erfordert diszipliniertes, konsequentes und strategisch aufgebautes Training in Kombination mit der richtigen Ernährung. Junge Männer zum Beispiel haben eine höhere Testosteronausschüttung als ältere und dennoch kann es Jahre dauern, bis sie ihr selbst gesetztes Ziel erreichen.

Muskelaufbautraining ist harte Arbeit und erfordert ein Höchstmaß an Disziplin!

Doch bilden Frauen überhaupt Testosteron?

Ja, jedoch nur ca. ein Zehntel dessen, was ein Mann bilden kann.

Ist es in Anbetracht dessen denn überhaupt möglich, dass Frauen in kürzester Zeit einen großen Umfang an Muskulatur aufbauen?

Nein! Und falls du mir nicht glaubst, lade ich dich ein, einmal einen jungen Mann anzusprechen, der bereits seit ein paar Jahren trainiert. Frage ihn, ob es ihm leicht fällt Muskeln aufzubauen. Ich kenne seine Antwort.

TIPP
Ich möchte dich nochmals ermuntern, weiterhin Krafttraining durchzuführen. Erhöhe nach und nach die Intensität, um wirklich ein paar Gramm Muskeln aufzubauen. Muskeln lassen dich nicht nur besser aussehen, sondern sie sind deine Fettverbrennungsmotoren. Muskeln verbrennen Fett und das auch in Ruhephasen, ja sogar in der Nacht. Du alleine bestimmst, wie viele Fettverbrennungsmotoren du dir »heranzüchten« möchtest.

Fazit: Du darfst beruhigt sein, das Arnold Schwarzenegger-Gen gibt es nicht.

Iss bedacht – trainiere hart + bleib gesund!

Euer Boris

Foto: Photowelt-Lochmann, Norbert Lochmann

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Boris Schwarz

Speaker | Gesundheitsmotivator | Autor bei Boris-Schwarz.de
Boris Schwarz ist Speaker und Experte für Gesundheit und mehr Lebensenergie mit dem Schwerpunkt Ernährung und Fitness, freier Dozent und Buchautor.Er versteht es auf unterhaltsame Weise Menschen so zu bewegen, dass sie mehr Eigenverantwortung für ihren Körper und ihre Gesundheit zu übernehmen. Seine Vorträge, Bücher und Seminare sind fachlich fundiert und lösen bei seinem Auditorium nachhaltige Handlungsimpulse aus. Dabei nutzt er seine Expertise aus über 20 Jahren Coaching-Erfahrung um Menschen aufzuzeigen, wie sie durch eine optimierte Ernährungs- und Bewegungsweise nicht nur schlanker und fitter, sondern auch gesünder und leistungsfähiger werden. Unter anderem hat er im Rahmen dieser Tätigkeiten seine erfolgreiche und in der Praxis erprobte »8-Diamanten-Strategie« sowie das »8-Minuten-Anti-Stress-Workout« entwickelt.

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