Gastbeitrag von Veronika Bärenfänger

Gerade in letzter Zeit gibt es einen regelrechten Hype auf Smoothies, im Besonderen auf Green Smoothies. Immer wieder lese ich entsprechende Rezepte und die dazugehörigen euphorischen Berichte. Wie toll es doch wäre, die Nährstoffe aus den Fasern mit Hilfe des Blenders auszulösen und die ausnahmslos gesundheitsförderlichen Stoffe damit zu sich zu nehmen. Ich sehe das ein klein wenig anders und möchte mit meinem Artikel ein anderes Licht auf die Smoothies werfen.

Der Hype um die grünen Smoothies – wirklich so gut?

Das Problem mit dem Smoothie, vor allem als ‚Mahlzeitenersatz‘ ist der, dass man sich damit auf Dauer nicht wirklich etwas Gutes tut.

  1. Dem Menschen wurden Zähne gegeben, um die Nahrung zu zerkleinern. Das ist deren Aufgabe und sie sollte nicht von einer Maschine übernommen werden.
  2. Beim Zerkauen der Nahrung passiert noch etwas ganz anderes – der Speichelfluss wird angeregt und dieser ist nicht nur dafür da, den Nahrungsbrei besser die Speiseröhre hinunterflutschen zu lassen, sondern es wird bereits der erste Verdauungsprozess in Gang gesetzt. Die im Speichel vorhandene Alpha-Amylase beginnt mit der Aufspaltung der Kohlenhydrate, was im Magen zwar unterbrochen wird, im Dünndarm aber fortgesetzt wird. Erst neulich las ich, dass sich im Laufe der letzten 10.000 Jahre –  seit Beginn des Ackerbaus –  auch die Zusammensetzung des Speichels dahingehend verändert hat, dass wir mehr Kohlenhydrate verwerten können. Warum ist es dann erstrebenswert, diesen Schritt zu übergehen? Kommt der Nahrungsbrei ohne die im Speichel vorhandenen Enzyme im Darm an, wird er durch die relativ ungespaltenen Kohlenhydrate überrascht und müsste diese Aufspaltung nun auch noch verrichten. Kann er das denn überhaupt ? Ich tippe eher darauf, dass er dazu nicht im Stande ist, denn oftmals führt dies zu Verdauungsbeschwerden.
  3. Eine getrunkene Mahlzeit wird vom Gehirn nicht als solche ‚erkannt‘. Kauen ist mit Muskelarbeit verbunden, es ‚arbeitet‘ der ganze Körper daran. Durch die Stimulation der Speicheldrüsen wird ein Signal an die anderen Organe gesandt, die sich zur weiteren Verdauung bereits einstellen. Kommt nur Flüssigkeit, so wird nicht viel aktiviert. Flüssigkeit bedeutet für das Gehirn nur, den Ausgleich des Wasserhaushaltes aufrecht zu erhalten, es hat nichts mit Nahrungsaufnahme zu tun. Entsprechend ‚ungenutzt‘ rauschen die Nährstoffe dann auch durch und das Hungergefühl stellt sich schneller wieder ein, obwohl die zugeführte Menge durchaus ausreichen würde, um für längere Zeit satt zu sein.
  4. Ein Smoothie besteht aus überwiegend Obst, enthält viel zu viel Fruchtzucker, welcher die Leber unnötig belastet, bei dauerhafter Anwendung sie auch schädigen kann. Nicht umsonst wird z.B in der Logimethode von täglichen 2 Portionen Obst (nicht mehr als 250g insgesamt) gesprochen. Es ist hier Obst gemeint, welches nicht so viel Fruchtzucker enthält, also Beeren. In manchen Smoothierezepten ist viel zu viel Obst enthalten. Dies würde man im Normalfall nicht so essen. (dazu später noch mehr)
  5. Bei den sogenannten ‚green Smoothies‚ wird noch etwas Grün hinzugefügt. Spinat ist da noch das Harmloseste! Nicht selten werden Radieschenblätter, Kohlrabiblätter und Karottengrün empfohlen. Hierzu sei angemerkt, dass es schon einen Sinn hat, warum uns dieses Zeugs normalerweise nicht schmeckt. Oft wird angepriesen, dass durch die Aufspaltung des Grünmaterials bestimmte Nährstoffe freigesetzt werden. Wäre der menschliche Körper auf diese Nährstoffe angewiesen, so hätten wir mehrere Mägen und würden unsere Gräser wiederkäuen. Die meisten Grünbeilagen sind einfach unnütz und möglicherweise gar nicht so super verträglich. Man bedenke nur, dass die grünen Teile einer Kartoffel für den Menschen giftig sind.

Ich möchte zum Nachdenken anregen, nicht gleich von vornherein verteufeln, aber wenn ich mir nur einen vorgebrachten Punkt genauer betrachte, so muss ich eingestehen, dass Smoothies oder sogenannte green Smoothies nicht das sind, was sie versprechen.

Suche ich im Netz nach Rezepten, so finde ich tausende, die alle auf 1 Banane + 1 Apfel + Kräuter (von mir aus verträgliche Wildkräuter) basieren und dann wird noch Spinat, Öl und Milchprodukte oder gar Sojamilch oder Mandelmilch dazugegeben. Das alles in einem Glas getrunken.

Ich esse eine Banane – wenn ich dann noch lustig bin, esse ich vielleicht noch einen Apfel – die Kräuter, den Spinat, das Öl oder gar Milch schaffe ich nicht mehr. Getrunken merke ich das gar nicht, denn es ist ja nur ein 500 ml Glas. Ganz im Gegenteil, es ist ja so lecker, dass ich noch ein zweites hinterher schütte. Wo der Körper von ganz alleine eine Grenze ziehen würde, hebelt man sie aus, zugunsten der super aufgeschlossenen Nährstoffe?

Ich habe ja nun schon noch ein wenig weiter gesurft und ich muss euch ganz ehrlich sagen  – Spinat, Gurke, Grünkohl, Kohl, Löwenzahn – alles Dinge, die man als Salate oder gedünstet und gekocht auch zu sich nehmen könnte. Ich persönlich finde Brennessel megalecker – aber als Beilage zu einem Gericht, welches ich kaue und somit meinen Verdauungsapparat noch während des Kauens auf den kommenden Nahrungsbrei vorbereite.

Wie ich oben ja bereits sagte, habe ich einige Male so einige green Smoothierezepte gefunden.
Ich gebe zu, dass Zutaten wie Spinat, Grünkohl, Brennesel, Gurke, Löwenzahn und Kiwi nicht gar so abwegig sind, wobei ich Spinat, Brennessel und Grünkohl eigentlich nie roh zu mir nehme. Löwenzahn (dabei verwende ich ausschließlich die frischen Blätter aus dem Herz) und Kiwi sowie Gurke gehen schon mal roh.
Ich bin allerdings noch nie auf die Idee gekommen, mir die Blätter von Radieschen zwischen die Zähne zu schieben, auch keine Kohlrabiblätter, Distel, Brombeerblätter, Himbeerblätter, wilden Raps oder gar Fichtennadeln.
Wenn die Natur gewollt hätte, dass ich die Blätter dieser Pflanzen mit all ihren Nährstoffen nutzen könnte, so hätte sie mir mehrere Mägen gegeben, die mich sogar ein weiteres Mal meinen Mageninhalt zerkauen ließen.

Fassen wir also zusammen

  • ein Smoothie enthält durchaus ein paar nennenswerte Nährstoffe, die ich allerdings durch gewöhnliches Obst und vor allem Gemüseverzehr auch zu mir nehmen könnte.
  • Mein Gehirn ist eigentlich nicht in der Lage, eine getrunkene Mahlzeit als Mahlzeit zu erkennen und deswegen werden auch nur ein Bruchteil der zugeführten Nährstoffe verarbeitet. Der Rest flutscht ungenutzt in die Toilette.
  • Es fehlt bei einer getrunkenen Mahlzeit ein kompletter Verdauungsprozess und somit wird die empfindliche Darmflora eher gestört als unterstützt.
  • Bei einigen Smoothierezepten werden Zutaten verwendet, die man im Normalfall nicht essen würde. Wie ich schon sagte, würde einer von euch das Karottengrün oder gar Radieschenblätter in seinem Salat verarbeiten?Noch extremer finde ich ja Fichtennadeln und Distelblätter.
  • Wenn ich normalerweise eine Banane oder einen kleinen Apfel oder ein paar Beeren essen würde, trinke ich nun alles zusammen in einem Smoothie  (der Apfel zwischendrin bleibt und wird deswegen nicht ausgelassen)  – oftmals wird Mango, Ananas und Maracuja beigemengt. Hochgradiger Fruchtzucker, den das Gehirn nicht als solchen erkennt, da er flüssig zu sich genommen wird.

Ich möchte mit diesem Artikel nicht prinzipiell gegen Smoothies wettern, ganz im Gegenteil. Ich denke, dass ein gut gemischter Smoothie durchaus recht positiv sein kann. Allerdings ist es kein Mahlzeitenersatz oder sonstiger gesundheitsförderlicher Zusatz.

Welche Meinung hat Ihr zu Grünen Smoothies! Freue mich über Eure Kommentare!

Liebe Grüße

Eure Veronika

Blog: http://v-baerenfaenger.blogspot.de/

 

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Daniela Pfeifer

Diätologin | Autorin | Dozentin Erwachenenbildung bei LowCarbGoodies
Körperliche, mentale und seelische Gesundheit ist unser höchstes Gut!Meine vielfältigen Ausbildungen und mein großer Erfahrungsschatz ermöglichen es mir, Sie auf Ihrem Weg zu einem gesünderen Leben zu unterstützen! Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den unterschiedlichsten Ausprägungen der gesunden Ernährung – individuell, ganzheitlich, fundiert und umfassend.Als Genussmensch ist mir die Qualität der Lebensmittel, deren geschmackvolle Zubereitung und die einfache Umsetzbarkeit meiner Empfehlungen wichtig! In Vorträgen, Kursen und Team-Schulungen vermittle ich mit Begeisterung mein Wissen um den Wert gesunder, natürlicher Lebensmittel und deren Wirkung auf unseren Körper, der geistigen Leistungsfähigkeit und der emotionalen Ausgeglichenheit!„Wenn wir unseren Körper nicht nähren – wo soll unsere Seele dann wohnen?“