Erfahrungsbericht von Veronika – Diabetiker Typ2

Gastbeitrag von Veronika Bärenfänger

Was tut man wenn man von einem lieben Menschen um einen Gefallen gebeten wird? Man wartet ab, was dieser Gefallen sein soll und weiß im Hinterkopf eigentlich schon ganz genau, dass man diesen Gefallen erfüllen möchte. So kam es dann auch, dass ich gefragt wurde ob ich nicht öffentlich anderen erzählen möchte, wie mir LowCarb in meiner ganz speziellen Situation geholfen hat.

Erfahrungsbericht von Veronika – Diabetiker Typ2

Nun wie beginne ich? Am besten mit dem Jahreswechsel 2011 -2012.

Was für ein tolles erfolgreiches Jahr lag hinter mir. Ein ganzes Jahr – ein neuer Job und mit dem Weihnachtsgeld und der Lohnerhöhung hätte doch alles nun mal einfach perfekt laufen müssen. Und da sind wir schon bei dem ‚hätte müssen‚.
Tat es leider nicht. All die Freude, all die lang ersehnte Anerkennung und die Zufriedenheit im Job ging verloren, weil es mir körperlich bescheiden ging. Bescheiden ist damit noch freundlich ausgedrückt, denn es ging mir echt schlecht.

April 2014 beschloss ich dann mit dem Rauchen aufzuhören. Kurz zuvor besuchte ich ein Konzert einer meiner Lieblingsrockbands und war vor lauter Schwindel nicht in der Lage bei noch zu mitreißender Musik aufzustehen und mit zu tanzen. Für mich war der Übeltäter entlarvt und somit machte ich mich mit Elan daran, dem Nikotinhieper zu widerstehen und zusätzlich zu den 15 kilo zu viel nicht noch mehr auf die Rippen zu bringen.

Was eine blöde Schei**, trotz Nikotinentsagung ging es mir nicht besser, eher schlechter und so landete ich dann letztendlich im Wartezimmer des Hausarztes. Nun, der schaute erstmal nach dem üblichem, mit 45 gibt’s ja so einiges auf das man achten sollte. Woops, war da nicht der Blutdruck auf einmal ein wenig zu hoch… die Langzeitmessung ergab dann aber wieder, dass alles relativ normal sei. Normal! Entschuldigt bitte, ein Wert von 139/95 ist alles andere als normal und egal was euch euer Arzt erzählt, normal ist 120/80 und ein bissi jeweils auf und ab. Mein Arzt versuchte mir zu versichern, dass ich immer noch im Referenzbereich läge, aber ich glaubte das nicht. Nun folgten weitere Tests und Auswertungen und nun erschien der Langzeitwert bedenklich, der HbA1c lag bei 6,9. Hmm hin und her und nach einem Glukosetoleranztest war es zumindest für meinen Arzt klar: Prädiabetes Typ2

Sprachlos, gelähmt, in die Vergangenheit katapultiert, fühlte ich mich völlig überfordert. Wie hatte ich das in meiner Kindheit erlebt, die Großmutter mit Schlaganfall ans Bett gefesselt, sie hat Zucker wurde mir immer gesagt, dabei sagte man auch, dass dicke Menschen ‚Zucker‘ haben, komisch Oma war doch aber immer dünn…
Und die Mama… solang ich mich erinnern kann, nie wirklich schlank aber auch nie wirklich fett… trotzdem kam dann der Zucker. Immerhin war sie schon über 60 als der Alterszucker entflammte. Trotz aller konventionellen Therapie wurden ihre Werte nicht besser, erlitt auch sie ein Schlaganfall und verstarb.

Mir wurde eine Packung Metformin 500 in die Hand gedrückt, mit der Anweisung morgens eine und abends eine. KEINE Aufklärung über die Nebenwirkungen, dass ich die Tabletten auf keinen Fall nehmen sollte, sollte ich anhaltende Durchfälle erleiden, auch kein Hinweis darauf, wie sich eine Übersäuerung bemerkbar macht. Was ich noch schlimmer fand, keine Aussage über mein zukünftiges Ess- und Bewegungsverhalten. Erst als ich fragte, wurde mir gesagt, Nudeln, eine Handvoll, Reis eine Handvoll, eine kleine Kartoffel, ein halber Kloß, keine Süßigkeiten, und fettarm, auf keinen Fall Butter aufs Vollkornbrot, Margarine *örgs* und Käse…. nein nein nein, viel zu fett. Spazierengehen sollte ich, bei uns nicht schwer, immer den Berg nach oben… Ich bekam kein Messgerät, auf Nachfrage nach dem Facharzt wurde mir gesagt: Dafür sind ihre Werte viel zu gut, der schickt sie wieder heim. 3 Monate darbte ich essenstechnisch vor mich hin, ich ging täglich spazieren und wurde immer trauriger. Nach 3 Monaten hatte ich dann einen Kontrolltermin, HbA1c von 6,9 auf 6,8, Gewichtsverlust 0. Ein heulendes, jammerndes Elend war ich bis dorthin, hätte am liebsten die ganze „Diät“ hingeschmissen, was ich dann auch tat.

Das was mir die Ärzte erzählten, sollte mir nicht reichen und so kam es, das ich anfing nach Informationen zu suchen. Im ersten Moment war ich recht schnell auf den Boden der Tatsachen geholt, denn die meisten Seiten, die ich im Internet finden konnte, sprachen darüber, dass es über kurz oder lang nicht zu vermeiden sei, Insulin zusätzlich zu spritzen, damit der Stoffwechsel weiterhin wie gewünscht funktioniert. 60% KH pro Tag wurden mir empfohlen, vor allem aus Vollkorn, weißes Fleisch, mager ohne Fett, keine gesättigten Fettsäuren, Margarine, vor allem die, die die Cholesterine senkt und damit so mega gesund ist.
Irgendwie konnte ich mich damit einfach nicht anfreunden, schon lange vermutete ich den Übeltäter nicht im Fett. Und überhaupt, was hatte Fett mit Diabetes zu tun, war es da nicht der Zucker, der einen Krank machte?
Ich sammelte also Informationen und machte mich schlau, was die biologischen Vorgänge im Körper anging. Wie lief das mit der Insulinausstoß? Wann wurde besonders viel von der Bauchspeicheldrüse verlangt und warum funktionierte das bei manchen Menschen, mich eingeschlossen, einfach nicht mehr richtig? Nun, ich begann mir nach und nach eine eigene Meinung über meine Erkrankung zu bilden und kam zu dem Entschluss, auf keinen Fall so weiter zu machen.

Die Frage stellte sich nun, wo geh ich hin, und wem vertrau ich mich an?

Irgendwie kam mir dann der Zufall zur Hilfe, denn die Schwester meines Mannes machte mich mich auf die kohlenhydratarme Ernährung aufmerksam. Sie selbst hatte erst kurz zuvor gut 10 kilo Gewicht damit verloren und es schien als ginge es ihr dabei hervorragend. So erzählte sie mir, dass ich doch die Kohlenhydrate reduzieren sollte, sie sagte, lass sie weg, dann geht es dir besser. Tja, komplett das Gegenteil von dem, was mir bisher empfohlen worden war.
Hmm, kann das gesund sein? Kohlenhydrate wegzulassen, dafür mehr Fett und Eiweiß zu sich zu nehmen? Wo man hinhörte, sagten die Leute „Um Gottes Willen, damit machst du dich nur krank, das ist viel zu einseitig und viel zu fett. Du hast doch schon Probleme mit der Leber und dem Cholesterin. Lass die Finger davon“
Ich fand dann aber einen Bericht über Dr. Richad Bernstein, Diabetiker Typ1, der mit LowCarb die Nebenerkrankungen des Diabetes für sich und seine Patienten sichtbar verringern konnte und dabei den Verbrauch des Insulins ebenso verringerte.

Wenn diese Ernährungsform sogar Typ1 Diabetikern helfen konnte, was machte sie dann mit Typ2?

Ich suchte also weiter und mit einem kleinen Wink meiner Schwägerin landete ich dann bei Facebook auf der Seite von LowCarbGoodies. Gleichzeitig fand ich ein paar Gleichgesinnte, die mit Hilfe dieser Ernährungsform gesund werden, oder einfach nur ein paar lästige Pfunde loswerden wollten. Das klang einfach viel zu schön um wahr zu sein, aber was solls. Schlechter als zu diesem Zeitpunkt konnte es mir einfach nicht mehr gehen.

Im Juli begann ich einen regen Austausch in einer LowCarb-Gruppe und im August stellte ich meine Ernährung um. Da ich ein radikaler Typ bin und absolut kein Freund von ‚hier ein bisschen, dort ein bisschen‘ sondern eher ‚ganz oder gar nicht‘ ließ ich von heute auf morgen Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis weg. Auch mied ich am Anfang, genau genommen 30 Tage sämtliche Milchprodukte. Zucker sowieso nicht, aber zu dieser Zeit auch keine Zuckeraustausstoffe. Süße gab es nur aus Beeren.
30 Tage und im September zur Kontrolle des Langzeitwertes war mein HbA1c bei 6,0, Gewichtsverlust 5 kilo und das in lediglich 6 Wochen. Die Medikation wurde halbiert. Nur noch eine Metformin abends, und eine halbe Ramipril morgens.

Was mich aber total begeisterte, ich konnte wieder lachen. Das Leben machte wieder Spass und neben dem Trübsal verschwand die Antriebslosigkeit. Im November des gleichen Jahres begann ich mit wachsender Begeisterung gezielt und regelmäßig Sport zu machen.

Ich begann meine Kenntnisse zu erweitern. Schloss mich ein paar Gruppen in Facebook an, bei denen es um die eine oder andere Art der kohlenhydratarmen Ernährung ging. Ich perfektionierte meinen Essensplan ganz für mich alleine. Achtete auf frische unverarbeitete Lebensmittel und gutes Fleisch aus der Region. Milch und Milchprodukte führte ich wieder ohne Probleme ein, während Brot und Getreideprodukte nach einem kurzen Test völlig ausgeschlossen wurden. Ich zeigte nach dem Genuss einer Scheibe Brot eindeutige Anzeichen einer Glutensensivität, möglicherweise schon immer unterschwellig vorhanden, denn während der Umstellung verschwanden 90% aller meiner Verdauungsprobleme, wie Sodbrennen, Magendruck, Blähungen, Darmgeräusche, Durchfall sowie Verstopfung und sogar die Hämmhorriden beruhigten sich.

Das ganze wurde natürlich damit belohnt, dass ich nach der Kontrolluntersuchung die Medikamente komplett absetzen durfte. Das war im Mai 2013 also 1,5 Jahre her. Seither hat sich an den Werten nichts negatives getan. Ich habe mir mittlerweile ein Messgerät angeschafft und fertige ab und zu Tagesprotokolle an, die mir zeigen, dass meine Ernährung besonders schonend gegenüber dem Blutzuckerspiegel ist.

Ich koche mittlerweile gerne, experimentiere noch viel lieber und backe auch hin und wieder einen leckeren LowCarb-Kuchen. Hierbei achte ich natürlich sehr darauf, keine Zutaten zu verwenden, die den Blutzucker zu schnell ansteigen lassen würden.

Dank LowCarbGoodies gibt es ja nun eine Vielfalt an leckeren Variationsmöglichkeiten. Vor 2,5 Jahren hätte ich mir nicht zu träumen gewagt, so genussvoll essen zu können und dabei die Gesundheit voll im Griff zu haben. Ich kann es nur jedem empfehlen. Ich nehme zwar mehr Fett und Eiweiß zu mir, bin aber deswegen nicht fetter geworden, sondern nur zufriedener. Meine Blutwerte sprechen Bände genau wie mein Allgemeinbefinden.

Natürlich obliegt das Finetunig jedem selbst, und das kann natürlich von den grundlegenden Vorgaben abweichen.

Versucht es einfach, ein Leben ohne Brot ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn.

Liebe Grüße

Eure Veronika

Angaben zur Person:
Veronika Bärenfänger
48 Jahre
verheiratet
4 Kinder
Diabetiker Typ2 seit 05/2012
Blog: http://v-baerenfaenger.blogspot.de/

 

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Daniela Pfeifer

Diätologin | Autorin | Dozentin Erwachenenbildung bei LowCarbGoodies
Körperliche, mentale und seelische Gesundheit ist unser höchstes Gut!Meine vielfältigen Ausbildungen und mein großer Erfahrungsschatz ermöglichen es mir, Sie auf Ihrem Weg zu einem gesünderen Leben zu unterstützen! Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den unterschiedlichsten Ausprägungen der gesunden Ernährung – individuell, ganzheitlich, fundiert und umfassend.Als Genussmensch ist mir die Qualität der Lebensmittel, deren geschmackvolle Zubereitung und die einfache Umsetzbarkeit meiner Empfehlungen wichtig! In Vorträgen, Kursen und Team-Schulungen vermittle ich mit Begeisterung mein Wissen um den Wert gesunder, natürlicher Lebensmittel und deren Wirkung auf unseren Körper, der geistigen Leistungsfähigkeit und der emotionalen Ausgeglichenheit!„Wenn wir unseren Körper nicht nähren – wo soll unsere Seele dann wohnen?“