Keto bei Krebs, ja oder nein?

Seit dem TV Beitrag im bayrischen Rundfunk im November 2013 erreichen mich immer wieder Anfragen von Krebserkrankten, die Informationen über die ketogene Ernährung benötigen. Was ist ihre Intention? Wie kommt es zu dem Interesse? Oft gab es im Vorfeld eine erste klinische Behandlung, im schlimmsten Fall ist der Krebs zurückgekommen. Diese schwerwiegende Diagnose bekräftigt den Wunsch des Patienten, selbst etwas tun zu wollen.

Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs sind komplex. Natürlich kann man sich nicht einfach gesund essen. Die Forschung steht hier noch am Anfang, einen eindeutigen Beweis mittels breit angelegter Studien gibt es bislang nicht. Doch das Gefühl, jeden Tag aktiv etwas für sich und gegen den Krebs zu tun, ist aufbauend und befriedigend. Was man isst und was somit in den eigenen Organismus gelangt, liegt nur an einem selbst und ist absolut steuerbar, organisierbar und kann obendrein sehr köstlich sein.

Doch wie reagiert das Umfeld? Was sagen Ärzte, Verwandte, Freunde und Kollegen? Die Zusammenhänge zwischen der Ernährung und der Gesundheit sind bisher wenig erforscht. Einige Mediziner glauben an einen positiven Effekt einer kohlenhydratreduzierten Ernährung, haben aber dennoch zu wenig Erfahrung mit solch einer Ernährungsform, um den Patienten kompetent unterstützen zu können, da Ernährung nicht in den Lehrplan eines Medizinstudiums gehört. Leider fehlt es ebenso an der Vorstellungskraft, wie man eine kohlenhydratreduzierte Kost im Alltag bewerkstelligen könnte und dadurch hört man eher demotivierende Worte a la „nichts ist bewiesen” und „man will sich ja auch mal was gönnen“. Wenn der Freundeskreis oder die behandelnden Ärzte wüssten, wie lecker Pfannkuchen aus Kokosmehl sind und dass ein Cappuccino sehr wohl getrunken werden kann, würden sie sich viel eher mit dem Thema beschäftigen und den Patienten motivieren. Typische Fragen von Freunden sind, was man denn nun noch essen könne: Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis fiele doch weg. Was die meisten sich nicht vorstellen können: Es gibt viele andere leckere Sachen, welche man essen kann. Eine gute Freundin war sehr überrascht über die vielen neidischen Blicke der Kollegen bei dem Anblick und dem Geschmack ihres LC Essens. Es kostet sicherlich Zeit und Mühe, da man vieles selber kocht und backt. Altbewährtes lernt man mit der Zeit umzustellen und neue Lebensmittel und deren Verarbeitung muss man erst für sich entdecken. Doch dann kann man ein köstliches Ketoessen zaubern.

Indes gibt es starke Kritiker. Sie vertreten die Meinung, dass man sich mit dieser Ernährungsform nur quält und es sowieso nicht helfen wird. Teils muss man dies sogar bestätigen. Sobald man sich psychisch unter Druck setzt und nicht daran glaubt, wird man sich nie öffnen und das gewisse Interesse entwickeln können. Begeisterung und Neugier sind für die Umstellung und die gegebenenfalls neuen, spannenden Lebensmittel unerlässlich.

Wichtig zu wissen ist, dass sogar Sportler Höchstleistungen mit der ketogenen Ernährung vollbringen, siehe letztes Arne Gabius, der in Frankfurt als Bester Deutscher den Marathon mit Platz 9 beendetet. Ein schlechter Blutdruck könnte verbessert werden und sogar ein zu hoher Cholesterinspiegel könnte sich verringern, wenn man schlechtes Fett durch gute Öle ersetzt. Das Gewicht sollte ebenso nicht ungewollt sinken. Die ketogene Ernährung soll sogar die Tumorkachexie (auftretende Stoffwechselstörung, die zu Auszehrung (Kachexie) und Abmagerung führt) und insbesondere den Verlust der Muskelmasse verhindern. Auch mich wollten vor fast 3 Jahren die Ärzte meiner Rehaklinik überzeugen, dass meine Entscheidung doch zu extrem sei. Alle Warnungen und Befürchtungen sind bisher nicht eingetreten. Wenn jemand doch mal abnahm, dann war die Fettmenge zu gering (ketogen ist nicht Atkins) oder es lagen andere medizinische Gründe vor. Sicherlich können auch in der Ketose Tumore wachsen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass man gerade bei aggressiven Tumoren mindestens das Wachstum eingrenzt, wenn nicht sogar stoppt.

Die meisten Menschen, die mir ihre Warnungen mit auf den Weg gaben, wussten nicht, was eine ketogene Ernährung tatsächlich für den Körper und den Fettstoffwechsel bedeutet. Wichtig ist, dass der Patient sich wirklich gut informiert. Prof. Kämmerer und ihre Broschüre über das Spezialthema „Ketogene Ernährung bei Krebs“, zu finden zum Beispiel auf ihrer Homepage www.keto-bei-krebs.de, gaben mir die ersten Informationen. Ansonsten ist unsere neue Homepage www.lowcarb-ketogen.de für die allgemeine kohlenhydratreduzierte und ketogene Ernährung sicherlich ebenso ein guter Ratgeber. Man findet sonst bezüglich der ketogenen Ernährung selten kompetente und persönliche Unterstützung und daher bleibt nur: Man muss selber ein Experte werden!

Man sollte versuchen, nicht beharrlich an die Lebensmittel zu denken, die man nicht mehr essen darf (zum Beispiel die obligatorischen deutschen Kartoffeln…). Vielmehr ist es hilfreich, sich jene Naturalien anzuschauen, deren Nährwerte passen würden. Nun kann man überlegen, worauf man Hunger hätte und der erste große Schritt zum Keto-Koch ist getan.

Natürlich kann man nicht einfach den Schalter umlegen und ist der perfekte Ketorianer, dem alles leicht fällt und dem alles perfekt gelingt. Aber man kann sich motivieren, in dem man stets bemüht ist, mit den gegebenen Rahmenbedingungen soweit es geht normal zu leben und zu speisen. Man muss ein wenig mehr planen und vorbereiten als früher. Gerade im privaten Bereich ist es anfangs ratsam, nicht hungrig zum gemeinsamen Kaffeetrinken zu gehen und – notfalls – selber etwas mitzubringen. Aber man lernt täglich dazu, Tag für Tag. Nach 2,5 Jahren ketogenem Leben blicke ich weiter nach vorne und versuche auch jetzt noch, schrittweise neue Dinge auszuprobieren.

Viele Grüße sendet Euch

Eure Christiane

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Christiane Wader

IT-Beraterin | Ketolumnistin | Steh-auf-Frau
Seit Jahren ernähre ich mich low carb, seit Anfang 2012 ketogen. Was zunächst aus Interesse und Begeisterung über die positiven Veränderungen der Fitness begann, wurde durch meine zweite Krebserkankung zu Vernunft und Überlebenswille. Schon Sokrates sagte „Wir leben nicht um zu essen, sondern essen um zu leben“. Diese Aussage drückt exakt meine Motivation aus. Allerdings genieße ich zu sehr, um nicht stets das ketogene Essen kreativ und köstlich zuzubereiten. Man entdeckt so viel Neues und regt damit immer neuen Mut und Zuversicht. Neben der Ernährung sind die weiteren Bausteine für meine gesunde und fitte Zukunft: Ausdauersport und glücklich sein. So hüpfe ich fröhlich von der Küche zum Fahrrad oder ins Schwimmbad und versuche zwischendurch noch ein paar Menschen beim Start und/oder der Durchführung mit der Ernährungsform zu unterstützen.