Keto im Restaurant – wie geht das?

Man hat sich nach langen Überlegungen endlich dazu entschlossen, die ketogene Ernährung auszuprobieren und hat bereits die ersten leckeren Mahlzeiten zu Hause zubereitet. Doch nun steht der erste Restaurantbesuch an. Wie funktioniert dies ketogen? Wird es genug Auswahl geben? Versteht der Kellner das Anliegen? Kann die Küche die Wünsche nachvollziehen und umsetzen?

Prinzipiell ist das ketogene Essengehen sehr einfach. Zuerst überprüft man die Speisekarte nach den potenziell zu bestellenden Gerichten. Nicht in jedem Restaurant ist es gleichermaßen einfach, man hat nicht immer massig Angebote. Es kann vorkommen, dass nur ein bestimmtes Gericht bestellt werden kann. Häufig lassen sich aber zahlreiche Gerichte abwandeln. Gerade die ersten Restaurantbesuche sind spannend, denn man hat sich noch nicht die nötige Routine angeeignet und wird, um nicht stundenlang die Karte studieren zu müssen, wahrscheinlich öfters zu den offensichtlichen und einfacheren Gerichten tendieren. Eines dieser einfacheren Gerichte ist der Salat, allerdings kann auch bei dieser Bestellung einiges verkehrt laufen. Unter „gemischtem Salat“ verstehen viele Restaurants neben den obligatorischen Salatblättern unter anderem beigefügten, angemachten Kartoffel-, Möhren- und/oder Krautsalat, oben drüber gestreute Maiskörner und häufig noch eine Dekoration aus Crema di Balsamico. Daher frage ich meistens, auch wenn bessere Restaurants entrüstet sind über die „Kartoffelsalat-Mais-Frage“, nach den potenziellen Kohlenhydrat-Fallen und bestelle mittlerweile ausschließlich Olivenöl und eine halbe Zitrone für mein selbst gemachtes Dressing. Die meisten Gaststätten bieten Aceto Balsamico als Essig an und da es sich hier – je nach Qualitätsstufe – um eingekochten Traubensaft gemischt mit Weinessig handelt, würde man mit einem Essig-Öl-Dressing zu viele Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Ansonsten ist es meist unproblematisch, Fleisch oder Fisch mit Salat oder Gemüse zu bestellen. Es sollte keine Schwierigkeiten bereiten, die Kartoffel-, Reis- oder Nudelbeilage auszutauschen. Vorab überprüfe ich alle Gerichte nach potenziellen Beilagen und kann mir schon vorab ein paar Gedanken machen. Zusätzlich erkundige ich mich jedes Mal, welches Gemüse an diesem Tag angeboten wird, denn so erfährt man die potenzielle Auswahl und kann sich davon die kohlenhydratärmsten Sorten aussuchen. Hier ist ein gewisses, bereits angeeignetes Grundwissen über die Nährwerte nötig, denn nur so kann man kompetent mit dem Kellner das jeweilige Gericht modifizieren. Wir müssen die Experten sein, der gastronomische Angestellte ist es, zumindest im ketogenen Bereich, sicherlich nicht. Fleisch oder Fisch, aber auch diverse Gemüsesorten könnten paniert serviert werden, besonders aufgefallen ist es mir bei Vorspeisentellern in griechischen Restaurants. Fischfilet wird meistens vor dem Braten mehliert, dies geschieht sicherlich nicht mit viel Weizenmehl, aber man kann an vielen Stellen Kohlenhydrate einsparen und die Küche vorab auf solche Punkte durch Nachfragen aufmerksam machen. Bei eventuellen Soßen ist relevant, welche Zutaten sie beinhalten und ob sie ohne Honig, Zucker und Mehl etc. zubereitet werden können. Ansonsten harmoniert zu den Speisen meistens selbst gemachte Kräuterbutter, Butter pur oder das Olivenöl, welches erfahrungsgemäß ohnehin auf dem Tisch steht. Generell ist es hilfreich, bei Fleisch- oder Fischbestellungen das Essen mit Fett zu kombinieren, um die Verhältnisvorgaben „Fett-Eiweiß-Kohlenhydrate“ besser zu treffen.

Erfreulicherweise gibt es ab und an Personal, das anhand der Nachfragen und Wünsche eine „low carb Diät“ identifiziert. Andererseits denken leider viele Bedienungen, dass man sich schlichtweg aus Abnehmgründen kalorienarm ernähren möchte und fragen bestenfalls nach, ob denn die Butter beim Anbraten oder die Sahne in der Soße in Ordnung wären. Im schlechtesten Fall wird ohne Nachfragen die Speise dahingehend modifiziert. Folglich versuche ich, jeder Bestellung die Information mitzugeben, dass Zucker, Stärke und Ähnliches absolut gemieden werden müssen, jegliche Art von Fett hingegen sehr willkommen ist.

Natürlich ist der eine oder andere Angestellte im gastronomischen Bereich gewohnt, lediglich schnell die Bestellung aufzunehmen. Doch der ketogene Patient möchte weiterhin in der Ketose bleiben und daher ist es unbedingt nötig, genau nachzufragen und gegebenenfalls in der Küche Auskünfte einholen zu lassen. Der Gast ist König und hierbei noch ein ketogener dazu 😉

Vereinzelt ist ein Kellner mutig oder irritiert genug, um nach den Beweggründen dieser so speziellen Bestellung zu fragen. Meine Erfahrungen zeigen, dass ein schlichtes „medizinisch bedingt“ meistens die goldene Wahl ist. Bei genauerem Nachfragen oder wenn ich das Gefühl habe, der Kellner fasst meine Sonderwünsche ansonsten als oberflächliche Zicken-Abnehm-Wünsche auf, war vielmals „Krebszellen benötigen zum wachsen jegliche Art von Kohlenhydraten wie zum Beispiel Zucker oder Stärke“ ausreichend oder hilfreich. Je nach Sympathie, weitergehendem Interesse und persönlicher Offenheit muss jeder selber in sich hinein hören, welche Informationen überdies angemessen sind.

Meine Restaurantbegleiter werfen mir oft mitleidige Blicke zu, da sie nach jeder aufwendigeren Umgestaltung meiner Bestellung befürchten, jeglicher Genuss bliebe mir versagt. Ab und an überraschen die kulinarischen Ideen der Küche so sehr, dass spätestens in solch einem Augenblick die Meisten die Teller tauschen oder zumindest probieren möchten. Besonders begeisterte mich im Rahmen der Hochzeit einer Freundin das ketogene und extra für mich umgestellte, mehrgänige Menü des Restaurants der Villa im Heine-Park, Hamburg. Zudem überraschte mich letztens ein Restaurant mit einer gefüllten Hähnchenbrust in Kokospanade auf Gemüsebett. Nach fast 3 Jahren ketogenem Leben, war dies mein erstes parniertes Stück Fleisch in einem Restaurant. Ich lies wahrhaftig drei Mal in der Küche nachfragen, ob die Panade tatsächlich nur aus Ei und Kokosraspeln besteht, bevor ich einen Bissen wagte.

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Äußert stimmig und köstlich empfand ich außerdem jegliches koreanischen sowie japanisches Barbecue. Hierbei grillt sich jeder am Tisch die bestellten Speisen.

Überdies erlebe ich immer öfter, wie aufgeschlossen und entgegenkommend der ketogene Patient behandelt wird, wenn man beherzt und freundlich erklärt und nachfragt, ob Selbstmitgebrachtes verzehrt werden dürfe. Gerade bei einer Hotelübernachtung ist von Vorteil, wenn man mutig genug mit der Thematik umgeht. Neulich war ich zu einem besonderen Kaffeetrinken eingeladen. Um nicht als Einzige vor einem leeren Teller sitzen zu müssen, brachte ich eigens hierfür selber gebackenen Zitronenkuchen mit, plus Puderzucker aus Erythritol. Das Personal des Café Himmelhoch in Braunschweig kredenzte mir den Trockenkuchen an ungesüßter aufgeschlagener Sahne in folgender liebevoller Art und Weise:

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Ich gehe sehr gerne essen, fast immer ist es super lecker und stets ketogen. Wer bereits schlechte Erfahrungen machen musste oder eben vor diesen Bedenken hat, der hat nun hoffentlich genug Ansporn, die ketogenisierte auswärtige Küche, gegebenenfalls erneut, auszuprobieren. Angesichts der obigen Beispiele lässt man sich doch gerne verwöhnen, schließlich betreibt man zu Hause seit der Umstellung doch ein wenig mehr Aufwand in der Küche und ist sicherlich froh, den Kochlöffel ab und an aus der Hand geben zu können.

Liebe Grüße an alle!

Eure Christiane

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Christiane Wader

IT-Beraterin | Ketolumnistin | Steh-auf-Frau
Seit Jahren ernähre ich mich low carb, seit Anfang 2012 ketogen. Was zunächst aus Interesse und Begeisterung über die positiven Veränderungen der Fitness begann, wurde durch meine zweite Krebserkankung zu Vernunft und Überlebenswille. Schon Sokrates sagte „Wir leben nicht um zu essen, sondern essen um zu leben“. Diese Aussage drückt exakt meine Motivation aus. Allerdings genieße ich zu sehr, um nicht stets das ketogene Essen kreativ und köstlich zuzubereiten. Man entdeckt so viel Neues und regt damit immer neuen Mut und Zuversicht.Neben der Ernährung sind die weiteren Bausteine für meine gesunde und fitte Zukunft: Ausdauersport und glücklich sein. So hüpfe ich fröhlich von der Küche zum Fahrrad oder ins Schwimmbad und versuche zwischendurch noch ein paar Menschen beim Start und/oder der Durchführung mit der Ernährungsform zu unterstützen.