Ketogene Ernährung bei Krebs, Zusammenhänge …

Nach einer so einschneidenden Erfahrung wie der Krebsdiagnose, ist es nicht verwunderlich, dass so mancher unbedingt etwas unternehmen möchte. Aus diesem Grund versuchen viele etwas an der Ernährung zu ändern, einige wollen auf die ketogene Ernährung umstellen. Meist hat man irgendetwas von „dem Krebs den Zucker nehmen“ gehört und interpretiert dann „keine Kohlenhydrate mehr essen“ dahingehend, einfach keine Zucker- und keine Stärkeprodukte mehr zu essen. Dies ist schon das erste Missverständnis: Ketogen bedeutet nicht einfach nur „no carb“, sondern das Essen aus sehr viel Fett, moderatem Eiweißanteil und sehr wenig Kohlenhydraten zu zubereiten.

Bei der „Ketogene Ernährung bei Krebs“ gibt es noch ein mehr paar Beweggründe als den bekanntesten Impuls: „den Krebs aushungern“. Kaum jemand diskutiert den Stoffwechsel eines Krebspatienten und kaum jemand sieht hinter der ketogenen Diät die Chance, eine Standardtherapie besser zu vertragen. Warum nicht?

Krebspatienten weisen einen veränderten Stoffwechsel auf. Doch was bedeutet dies? Krebs ist eine Entzündung und Entzündungen verbrauchen Eiweiß! Zusätzlich regt der bekannte Zuckerhunger der Krebszellen die Glukoseneubildung durch einen Eiweißabbau in der Leber an. Doch woher nimmt der Körper das benötigte Eiweiß? Der immense Eiweiß-Speicher in den Muskelzellen bietet sich als Proteinquelle an. Damit für die verschiedenen Prozesse im Körper genug Protein zum Verarbeiten vorhanden ist, wird der Muskel abgebaut. Die meisten Krebspatienten wundern sich, warum sie so kraftlos sind und immer schwächer werden. Dieser Prozess nimmt stetig zu. Sicherlich spielt die Chemotherapie eine große Rolle, eine Gabe von Cortison unterstützt den Muskelabbau zusätzlich nur zu gern.

Überdies liegt bei Krebspatienten eine Insulinresistenz vor, vergleichbar mit Diabetes Typ2. Der Körper kann den verzehrten Zucker nicht mehr ausreichend verarbeiten und so freut der Tumor sich gleich doppelt über die überschüssige Glukose im Körper. Warum also nicht versuchen, genau diesen Prozess zu unterbinden?

Eine ketogene Ernährung kann hier einen großen positiven Beitrag leisten. Gerade der Fokus auf den moderaten Anteil von Eiweiß wird oft übersehen und missverstanden. Eiweiß ist wichtig, um die Muskeln zu erhalten, doch zu viel Eiweiß wird wiederum in Glukose umgewandelt und der Körper hätte einen Überfluss an Zucker. Eine Richtgröße für die Eiweißmenge pro Tag ist hier: 1,4gr Eiweiß pro 1kg Körpergewicht. Die angestrebte Nährwertverteilung wäre: 5-9% Kohlenhydrate, max. 21% Eiweiß und demnach min. 70% Fett – jeweils in Relation zur Kalorienbilanz. Hieran erkennt man gut, dass es kurzsichtig wäre zu denken, die ketogene Ernährung sei zu fleischlastig. Viel Fleisch mit wenig Fett entspricht dem Gegenteil der ketogenen Nährwertverteilung, da Fleisch aus viel zu viel Eiweiß in der Relation zu den anderen Nährwerten besteht.

keto bei krebsDurch das Einhalten einer ketogenen Nährwertverteilung befindet sich der Körper schon nach kürzester Zeit in der Ketose und die Leber beginnt, Ketonkörper zu produzieren. Diese Verbindungen werden im Stoffwechsel erzeugt, wenn der Körper von Zucker- auf Fettverbrennung umstellt. Diese wertvollen Ketonkörper spenden Energie und verhindern den Muskelabbau. Somit kann das Wohlbefinden zusätzlich durch die Ketonkörper verbessert werden. Warum sonst ist diese Ernährungsform bei Sportlern so beliebt? Bodybuilder freuen sich über schnell und gut aufgebaute Muskeln und der Ausdauersportler hat viel länger Energie, benötigt weniger Zucker-Kicks und weist obendrein noch bessere Herzfrequenz-Werte auf.

Moderates Eiweiß bei viel Fett und wenig Kohlenhydraten kann den Körper unterstützen, fit zu werden oder eben fit zu bleiben. Wer hat/hatte während der Therapie nicht ebenso diese vielen schlechten Tage, ist oder war nicht mehr Herr der eigenen Kräfte und spürte das Schwinden der Energie? Warum setzen wir diesem körperlichen Abbau nicht etwas entgegen oder versuchen zumindest den aktuellen Fitnessstand aufrecht zu erhalten? Warum versuchen wir nicht, neben einem moderaten Plan für die sportlichen Aktivitäten, uns fit zu essen?

„Fit durch Keto“ ist ein meist im medizinischen nicht beachtetes Merkmal dieser Ernährungsform! Die meisten Ärzte empfehlen mittlerweile zumindest Sporttherapien als supportiven Ansatz. Gehen Sie diesen sportlichen Weg ketogen und schon werden Sie die Belastungen des Alltags bzw. der Therapie um einiges einfacher und agiler durchführen können.

Am Universitätsklinikum Freiburg läuft die KetoPerformance Studie (finanziert von der DFG: http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/274452328), welche aufzeigen soll, dass die ketogene Ernährung bei gesunden Menschen einen positiven Effekt hat. Patienten haben verständlicherweise einige Schwachpunkte und es ist schwer zu beweisen, dass diese nicht von der Ernährungsform her rühren. Gesunde Probanden hingegen haben einen normalen und gut definierbaren Ausgangsstand. Herzfrequenz-, Blut-wie auch Fitnessveränderungen können anhand dieser Studie der ketogenen Ernährungsform zugeordnet werden. Ich bin schon sehr gespannt, auf die ersten Zwischenergebnisse.

Liebe sportliche und ketogene Grüße

Eure Christiane

UNSER KURS ZUM THEMA KETOGENE ERNÄHRUNG

Grundsätzliches über Ketose, Unterschied zwischen Ketose und Ketoazidose, Unterschied zwischen Ernährungsketose und therapeutischer Ketose, Welche Kohlenhydrate sind geeignet? Welche Fette müssen vermehrt verwendet werden? Unterschied zwischen MCT und VCO, Ketose-Messmethoden, Einsatzmöglichkeiten der ketogenen Ernährung, Unterlagen und Rezepte

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Christiane Wader

IT-Beraterin | Ketolumnistin | Steh-auf-Frau
Seit Jahren ernähre ich mich low carb, seit Anfang 2012 ketogen. Was zunächst aus Interesse und Begeisterung über die positiven Veränderungen der Fitness begann, wurde durch meine zweite Krebserkankung zu Vernunft und Überlebenswille. Schon Sokrates sagte „Wir leben nicht um zu essen, sondern essen um zu leben“. Diese Aussage drückt exakt meine Motivation aus. Allerdings genieße ich zu sehr, um nicht stets das ketogene Essen kreativ und köstlich zuzubereiten. Man entdeckt so viel Neues und regt damit immer neuen Mut und Zuversicht.Neben der Ernährung sind die weiteren Bausteine für meine gesunde und fitte Zukunft: Ausdauersport und glücklich sein. So hüpfe ich fröhlich von der Küche zum Fahrrad oder ins Schwimmbad und versuche zwischendurch noch ein paar Menschen beim Start und/oder der Durchführung mit der Ernährungsform zu unterstützen.