LOW CARB MIT KINDERN, TEIL 1 – Bestandsaufnahme

Irgendwas läuft hier gewaltig aus dem Ruder …

Kennen Sie das? Es geht schon frühmorgens los. Für mich ist das Frühstück, welches die Mehrzahl der Menschen gedankenlos zu sich nimmt, ein Graus. Vor allem in Bezug auf Kinder. Ich mag schon gar nicht mehr hinsehen, wenn ich das zuckersüße Elend in Hotels und Cafés sehe. Spätestens, wenn ich morgens die ach so gestressten Mütter auf dem Weg zu Kindergarten und Schule erspähe, möchte ich einschreiten, wenn diese den obligatorischen Durchmarsch durch den Bäcker an der Ecke antreten, um dem Nachwuchs Donuts, Hörnchen, Kräppel oder sonstige Pampe auf die Schnelle in die Hand zu drücken, weil doch zuhause keine Zeit mehr zum Frühstückmachen war.

Unsere Werbung tut ihr Übriges dazu und preist einschlägige „Kinderprodukte“ und „Junior-Cerealien“ als das gesunde und wertvolle Must-Have zum Tagesstart an. Da ist es kein Wunder, daß in den Schulen immer mehr verträumte Zappelphilippe Entwicklungsgespräche zwischen Eltern und Lehrern einfordern und die Zahl der adipösen Sprösslinge, die schon im einstelligen Lebensalter mit ernsthaften Krankheiten, Diabetes, Allergien und anderen Einschränkungen zu kämpfen hat, dramatisch zunimmt.

Ich habe selbst zwei Kinder, vier und sieben Jahre alt, und auch an uns geht der „normale Ernährungswahnsinnsalltag“ nicht vorüber. Man kann heutzutage nicht mehr am normalen, öffentlichen Leben teilnehmen, ohne daß einem die allgegenwärtige Zuckerschwemme ständig hinterherschwappt. Nehmen wir nur mal einen gewöhnlichen Familieneinkaufs-Samstagvormittag. Der Besuch auf dem Wochenmarkt endet mit zehn Tütchen Gummibären, der Besuch an der Metzgertheke, welcher früher das obligatorische Stück Fleischwurst als Give-away beinhaltete, befördert zwei weitere Päckchen Gummitiere in die Einkaufs-Souvenirtüte.

Da brauchen wir an der „Quengelzone“ vor der Supermarktkasse gar nicht mehr zu diskutieren, denn die Taschen und Mäuler sind jetzt schon randvoll. Nun noch schnell in den Drogeriemarkt, dessen Besuch an der Kasse mit Brausespaß für die Zwerge belohnt wird. Draußen auf der Straße vor dem Einkaufszentrum nimmt einen dann schon das Maskottchen des selbigen in Empfang und verteilt weitere Leckereien. Zum Abschluß will noch das Auto getankt und gewaschen werden. Und da die jungen Herrschaften auch hier so lieb teilgenommen haben, winken Lollis und abermals Gummibären.

Nicht lange zu Hause, die Kinder spielen auf dem Hof, kommt Oma Elfriede aus der Nachbarschaft auf ihrer Hunde-Gassi-Runde vorbei und drückt Sohn und Tochter je eine Tafel Schokolade in die Hand – warum auch immer. Nachmittags geht es zu Tante Gerda zum Geburtstag. Hier erscheinen Schwiegermutter, Schwägerin, Großtante und Nachbarin Ilse und belohnen die Anwesenheit der Kiddies mit Kinderriegeln, Schokobons, Kaugummi und erneut allerhand Gummigetier.

Dazu schmeißt Opa noch eine Runde Bonbons, so daß der extra für die Kleinen gebackene und mit buntem Zuckerklebstoff verzierte Kuchen schon fast in Vergessenheit gerät. Bis hierhin war es ja nur ein gewöhnlicher Samstag, für den wir theoretisch für die Kinder nicht hätten einkaufen müssen, denn alleine mit der Süßwarenausbeute des heutigen Tages kämen diese einige Wochen lang klar, ohne etwas anderes essen zu müssen.

Dann gibt es ja noch die normalen Wochentage. An denen gibt es –außer den schon genannten Mitbringseln und Geschenken- noch die Belohnung im Sportverein in Form von Gummischlangen für die gewonnene Sackhüpf-Staffel, sowie das süße Tapferkeitsgeschenk für das Warten beim Arzt zur Kinder-Vorsorgeuntersuchung. Die größte Freude wartet aber in Kindergarten und Schule selbst. Hier haben über das Jahr verteilt etwa 25 Kinder Geburtstag, die dann die übrige Gruppe oder Klasse mit bunten Muffins, Törtchen, Eis und sonstigen Goodies verköstigt. Somit kann man schon mal an 13% der Schul- oder Kindergartentage damit rechnen, daß das mitgegebene Pausenfrühstück wieder den Weg nach Hause findet und anstatt dessen wieder allerhand Klebstoff in den Mägen gelandet ist.

Zu guter letzt ist man dann als Kind im Jahresschnitt noch zu etwa einem Dutzend Kindergeburtstagspartys eingeladen, bei denen man als Dank für die Anwesenheit eine reiche Ernte in Form einer gut gefüllten Mitbringsel-Tüte voller Dinge, die ich allesamt vorher schon sicher mehrfach genannt habe, einfährt. Jetzt will ich mich nicht auch noch von Urlaub oder gar Feiertagen wie dem eigenen Geburtstag des jeweiligen Sprösslings oder Ostern und Weihnachten auslassen.

Nur soviel dazu: im vorletzten Jahr haben meine Frau und ich uns mal den Spaß (eigentlich war es keiner, sondern eine Inventur der Grausamkeiten) und alle „Geschenke“ der Kategorie „Süßwaren“ mal gewogen. Wir kamen auf satte 3,3 Kilogramm, die insgesamt für zwei Kinder abgeladen worden waren! Wir sahen uns nur entgeistert an, sinnierten davon, daß es in unserer Kindheit noch Mandarinen und Nüsse zu Weihnachten und (Hühner-)Eier zu Ostern gab und sind im darauffolgenden Jahr zu Weihnachten geflüchtet.

Um eines klar zu stellen: ich bin selbst ein Genussmensch, der auch mal über die Stränge schlagen kann und will und seinen Kindern sicherlich von Herzen alles gönnt und hier durchaus auch mal Fünfe gerade sein lässt. Ich weiß durchaus, daß man sein Leben nicht nur nach Gesundheit und Ernährungsplan gestalten kann. Ebenso weiß ich, daß es all die lieben Mitmenschen, die ich vorstehend mit einem Augenzwinkern beschrieben habe, im Grunde nur gut meinen, aufmerksam sein wollen, an die Kundschaft von morgen denken wollen oder sollen, und sich gar keine Gedanken über das machen, was sie in der Gesamtheit verursachen. Genau das, nämlich diese unsäglich riesige Masse an Süßigkeiten, Zuckerstreubomben und sonstigem Insulintreibstoff wollte ich hier einfach mal beschreiben. Ich würde diese Unmenge gerne mal ein Jahr lang sammeln und auf einen Haufen aufschichten, um dem ein oder anderen mal begreiflich zu machen, wie sich seine „Aufmerksamkeiten“ potenzieren.

Nach Angaben der deutschen Zuckerwirtschaft vertilgt jeder erwachsene Bundesbürger jährlich 36 Kilogramm Zucker. Nur reiner Zucker, andere Kohlenhydrate nicht einbezogen. Kinder hingegen verzehren pro Jahr weit über 50 kg Zucker. Wenn man das jetzt noch mit dem durchschnittlichen Körpergewicht eines Erwachsenen von 75 kg und dem Durchschnittsgewicht eines Kinder von ca. 20 kg in Korrelation setzt, wird schnell klar, was hier heranwächst.

Warum schreibe ich das alles? Zum einen wollte ich aufzeigen, von welchen Mengen und Massen wir bei der aufgeworfenen Thematik sprechen. Ich möchte damit wachrütteln und sagen „Hey, denkt mal nach, so kann es nicht weitergehen“. Aber wie kann es weitergehen? Den Daumen in die stinkende Wunde legen ist das eine. Das ist auch relativ einfach. Aber wo gibt es Lösungsansätze? Dazu werde ich in meinen nächsten Beiträgen ausführlich Stellung nehmen und konkrete Ideen aus dem Alltag für den Alltag beschreiben. Schließlich gibt es doch nichts Schöneres als seine Kinder kerngesund, aktiv und voller Lebensfreude aufwachsen zu sehen, oder? Und das geht auch mit Nutellabrötchen, Marmeladenstulle und leckeren Knabbereien – nur eben anders.

Seid daher gespannt auf die nächsten Teile meiner Serie „LowCarb mit Kindern. Ich weiß heute noch nicht, wieviele es werden. Denn auch in unserem Familienalltag geht das Leben jeden Tag weiter.

Viele Grüße sendet Euch

Jörg

LOWCARB BASICS – INTENSIVKURS

Ein Kurs für:
Interessenten für gesunde Ernährung, Stoffwechselerkrankte, Autoimmunerkrankte, ein paar-Kilo-zuviel-Leidende, Sportler die eine Leistungssteigerung wünschen, Leute, die vitaler und leistungsfähiger (körperlich und geistig) werden wollen, Krebspatienten und Angehörige, Skeptiker, Therapeuten und Ernährungstrainer aller Art

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Jörg Kiel

Unternehmer I Ausdauersportler I Motivator | Coach bei JK TRAUMHAUS
„Häuserbauender Marathonläufer – marathonlaufender Häuserbauer“, außerdem Coach und Motivator in Ernährung und SportJörg Kiel – im Hauptberuf selbständig beschäftigt mit der Planung und dem Vertrieb von Häusern – entdeckte die Vorteile der LowCarb- bzw. ketogenen Ernährung mehr oder weniger im Selbstversuch und bekämpfte damit erfolgreich seine starke asthmatische Pollenallergie. Neben einer allgemein stark verbesserten Lebensqualität und 20 kg Gewichtsabnahme konnte er damit seine ausdauersportlichen Aktivitäten endlich zielgerichtet betreiben und bildete sich in Trainingssteuerung und genetisch korrekter Ernährungslehre weiter. Entgegen aller allgemeingültigen Meinungen aus der Sporternährung lief er die Marathondistanz unter drei Stunden, sowie Ultraläufe bis zu 125 km nonstop ohne jegliche Aufnahme von Kohlenhydraten.Er bezeichnet sich selbst als lebendiges Beispiel und Selbstversuchsobjekt für geballte Power, höchste Leistungsfähigkeit, Nimmermüdigkeit, Streß- und Krankheitsresistenz sowie pures Wohlbefinden durch konsequente genetisch korrekte Ernährung und artgerechte Bewegung.