Lowcarb mit Kindern

LOW CARB MIT KINDERN, TEIL 6 – Alltag, Wunsch und Wirklichkeit

In meiner Artikelreihe „LowCarb mit Kindern“ habe ich in der Vergangenheit schon eine ganze Reihe Missstände aufgedeckt, Ideen geweckt und Rezepte dargestellt. Dazu erreichen mich immer viele Fragen und Anregungen, aber auch einfach oft die Fragestellung „Wie ist das eigentlich bei Euch im ganz normalen Alltag?“. Nun gut, dann will ich dazu gerne nochmal das Nähkästchen aufmachen und Euch hineinschauen lassen. Nicht, um mich in irgendeiner Art und Weise selbst darzustellen oder zu „beweihräuchern“, sondern um Euch einfach Ansätze für eigene Ideen oder Lebensweisen zu geben.

Zuerst einmal darf ich nach wie vor betonen, dass es bei artgerechter Ernährung mit Kindern (= LCHF) immer nur auf „Schadenbegrenzung“ hinausläuft. Viel zu groß sind die Verlockungen, Hürden und Angebote, mit denen unsere lieben Kleinen tagtäglich konfrontiert werden. Ich hatte dies  in „LowCarb mit Kindern Teil 1“ ausführlich behandelt. Aber es wird nicht besser, immer noch ist es ein Graus, was da im Alltag an Zuckerstreubomben auf unsere Kinder abgeworfen wird. Und niemand meint es ja böse, aber jeder Einzelne trägt schön dazu bei, dass ein mitteleuropäisches Kind im Durchschnitt mehr Zuckermenge zu sich nimmt, als es selbst wiegt! Das muss man sich mal vorstellen! Die Zappelphilippe werden immer mehr und die Fallzahlen für Allergien und Diabetes bereits in jungem Alter steigen weiter an. In der Schulklasse meiner Tochter ist fast kein Kind, was nicht an irgendwelchen Krankheiten und Allergien leidet, Kuren machen muss oder logo- und ergotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Merkt das niemand? Wo soll das noch hinführen? Und wenn in der Elternschaft dann wirklich das Thema am Rande zur Sprache kommt, stehen wir da wie die Gesundheitsapostel und Spaßbremsen der Nation.

Dabei ist es doch eigentlich recht einfach und hat auch nichts mit Zwang oder Askese zu tun. Bei Kindern im einstelligen Alter kann man noch viel mit Vorbild und mit täglich gleichen Strukturen erreichen. Dabei ist bei den allermeisten das erste Tagesritual der morgendliche Gang zum Bäcker, um das Schul- oder Kindergarten-Frühstück zu kaufen, da ja morgens „keine Zeit“ ist. Also schnell nüchtern raus aus dem Haus, rein in die Backstube und die ehemalige Brotdose wird zur Bäckertüte mit Donut, Muffin oder Schoko-Croissant. Da fallen wir schon mal gehörig aus dem Raster. Unsere Kinder haben morgens Zeit, um zuhause ordentlich und ohne Hektik zu frühstücken, um nahrhaft und gestärkt in den Schul- bzw. Kindergartenalltag zu gehen. Nach einigem Hin und Her und dem Austesten diverser Varianten haben wir mit den Brotbackmischungen von Dr. Almond das Allheilmittel gefunden. Davor hatten wir uns notgedrungen teilweise mit „Eiweissbrot“ aus dem Discounter beholfen. Nicht der Brüller, aber immer noch das kleinere Übel zum gluten- und weizenlastigen Otto-Normal-Brot. Mein fünfjähriger Sohn ist in Sachen Essen recht speziell und eingefahren und besteht ausschliesslich auf Knäckebrot (er nennt es Knusperbrot). Davon isst er morgens ein bis zwei Scheiben, die dick mit selbstgemachter Schokoladencreme bestrichen sind (Rezepte dazu findet Ihr in „LowCarb mit Kindern – Teil 4 und 5“). Durch den hohen Anteil an Butter in der Creme und den vielen Ballaststoffen im Brot ist das so sättigend, dass er nur noch ein sehr kleines Frühstück mit in den Kindergarten nimmt. Das besteht aus einer Handvoll Pistazien, dazu entweder Käsecracker, ein Würstchen (Pfefferbeisser o. ä.) oder ein selbst hergestellter „Joghurtquark“. Damit kommt er über den Vormittag und Nachmittag. Beim Mittagessen, welches er in der Kindertagesstätte einnimmt, müssen wir den einzigen Kompromiss des Tages eingehen und ihn an der „normalen“ Speisung teilnehmen lassen. Die Mahlzeiten hier sind relativ ausgewogen und aufgrund des hohen Anteils muslimischer Kinder schweinefleischfrei. Nichts zum „Hurra“ schreien, aber wie gesagt ist es alternativlos. Abends gibt es für ihn zuhause dann entweder Reste des Mittagsessens, ein weiteres Knäckebrot mit Leberwurst oder ähnlichem oder ein „Lieblingswürstchen“ (Wiener Würstchen, meist mit Käse drin).

Bei meiner achtjährigen Tochter ist die Lage etwas einfacher, da sie sich noch nie viel aus Brot gemacht hat und Neuem gegenüber recht aufgeschlossen ist. Sie könnte sich den ganzen Tag nur von „Platte“ ernähren. Viele Erwachsene können oder wollen das nicht verstehen, denn Wurst oder Käse ohne Brot kann man doch nicht essen, oder? Ach so, was war eigentlich „Platte“? Unter „Platte“ versteht meine Tochter des Italieners „Antipasti Misto“ sprich „Gemischte Vorspeisenplatte mit Schinken, Salami, Käse und Gemüse“. Alles klar? Wie sich sowas im Alltag darstellt, könnt Ihr auf den Fotos sehen.

Lowcarb mit Kindern

Für die Schule ist es dann „Platte to go“.

Lowcarb mit Kindern - Platte to go

Auch meine Tochter beginnt den Tag mit Brot von Dr. Almond, wobei sie nicht auf Knäckebrot festgelegt ist. Für sie ist es ja sowieso nur die Unterlage für den geliebten spanischen oder italienischen Rohschinken oder den Käse. Wichtig ist bei ihr, dass viel Butter drauf ist, am liebsten selbstgemachte Kräuter-Knoblauch-Butter. Am allerbesten auf der Brotauflage nochmal ein Klecks obendrauf. Von wem sie wohl den Hang zum Deftigen und der vielen Butter hat? Als Pausenverpflegung für die Schule gibt es dann die besagte „Platte“ in der „to go“-Version in wechselnder Bestückung mit Salami, Schinken, Käse und verschiedenem Gemüse. Wenn sie mittags nach Hause kommt, nimmt sie ein normales, selbstgekochtes LowCarb-Mittagessen, manchmal auch die Resteverwertung des Vorabends, ein. Mindestens einmal in der Woche muss es eine Rinder- oder Hühner-Kraftbrühe sein. Abends will sie dann meist wieder eine Platte, als Nachtisch noch einen Apfel und dann passt das. Meine Frau und ich essen wochentags in der Regel erst später abends separat, wenn die Kinder auf dem Weg ins Bett sind.

Somit wäre das wirklich fast ein genetisch korrekter Alltag, wenn die vielen „Anlässe“ und sonstigen „Unregelmäßigkeiten“ nicht wären. Aber da muss man sich einfach „durchwursteln“ und versuchen, das zucker- und stärkelastige Elend wenigstens einigermaßen zu begrenzen. Und natürlich können und wollen wir unseren Kindern auch nicht alles „verwehren“, denn wir wissen selbst nur zu gut, das alles, was verboten wird, doch erst richtig interessant ist. So haben wir zuhause eine „Engeldose“ (eine Blechdose mit Engelmotiv), in der wir alle Süßigkeiten sammeln, die zu Weihnachten, Ostern, Geburtstagen oder sonstigen Anlässen angeschwemmt werden. Das alleine würde schon locker ausreichend, um diese Dose dauerhaft gut gefüllt zu haben. Aber es gibt natürlich noch eine Oma, die der Meinung ist, dass wir den Kindern zu wenig Süßkram geben und meint, die Befüllung noch aufstocken zu müssen. Aus dieser Engeldose dürfen sich die Kinder einmal täglich auf Nachfrage eine Sache (kleiner Schokoriegel, Mini-Gummibärentütchen etc.) nehmen. Wir haben ihnen schon immer erklärt, dass die Dosis das Gift macht. Was somit auch heißt: wenn es an einem Tag schon einen Haufen Süßkram anderweitig gab, bleibt die Engeldose geschlossen. Oder aber: wenn an einem Tag besonders hochwertig gegessen wurde, kann nochmal zum Nachtisch zugeschlagen werden (was in der Regel aber kaum passiert, da dann nichts mehr reinpasst).

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Wenn wir mit den Kindern in ein Restaurant zum Essen gehen (meist sonntags abends, im Urlaub oder zu irgendwelchen Anlässen), besteht mein Sohn meist auf ein Wiener Schnitzel mit Pommes und Mayonnaise. Da kann man nichts machen, aber wenn es sich um einige wenige Male handelt, halte ich das noch für tolerierbar. Manchmal ist es halt auch eine Pizza oder die berühmten Chicken Nuggets, die es nun mal in jeder Kinderspeisekarte gibt. Von denen lässt sich auch meine Tochter meist begeistern, in letzter Zeit greift sie aber immer öfter zu deftigeren Gerichten wie einem halben Hähnchen oder sogar einer gemischten Grillplatte. Von letzterer hat sie kürzlich zum Erstaunen aller eine komplette Erwachsenenportion vertilgt, weil die Kräuterbutter so lecker war. Das machte sie so satt, dass sogar ein Teil der Pommes liegen blieb. Generell muss man „auswärts“ auch mal Fünfe gerade sein lassen, wobei wir dennoch darauf achten, dass nicht jeder Mist konsumiert wird, bloß weil er angeboten wird.

Was bei uns kein großes Ding ist, im Alltag aber den aller grössten Zuckerkonsum verursacht, ist das Thema Getränke. Unsere Kinder trinken zu 90% Mineralwasser ohne, dass es darüber Diskussionen gäbe. Sie kennen es nicht anders und wir werden daran nichts ändern. Es reicht schon, wenn sie zu anderen Kindern nach Hause kommen und es dort nur die üblichen „Softgetränke“ gibt. Auch im Restaurant bestellen wir für die Kinder zusammen eine große Flasche Mineralwasser und da gibt es nie Unmut. Warum auch – Wasser ist Leben und nicht Farbe und Geschmack. Ab und zu –meist, wenn es etwas zu feiern gibt- gibt es einen „Kindercocktail“ oder „Kindersekt“, aber das ist sehr beschränkt und dann auch wirklich etwas Besonderes.

Das war jetzt ein kleiner Auszug aus unserem Alltag, der nicht plakativ oder als Leitbild für andere zu sehen ist. Jedes Kind ist anders und muss auf seine Weise in Bezug auf die Ernährung behandelt werden. Manchen mag unsere Herangehensweise noch nicht weit genug gehen, anderen wiederum mag sie schon zu asketisch oder genusslos erscheinen. Jeder muss für sich selbst wissen, wie er seinen Kindern gesunde, genetisch korrekte Ernährung nahe bringen kann. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, denn irgendwann bemerken die Kinder selbst, dass sie fast nie krank sind, keine Allergien haben und fitter und schlanker sind als manche Schulkameraden, die schon in jungen Jahren einen Großteil ihrer Zeit bei Arzt oder Kur verbringen und sich auch ansonsten kraftlos oder gar verhaltensauffällig durch das noch junge Leben schleppen.

Zur Artikelreihe „LowCarb mit Kindern“ wird es weiterhin in loser Folge weitere Einlassungen von mir geben. Diese werden dann aber spontan und aus Alltagserlebnissen heraus entstehen. Für Anregungen, was Euch zu diesem Thema noch interessieren würde, bin ich dankbar und würde diese gerne aufgreifen. Deshalb: immer her damit!

Viele Grüße sendet Euch

Jörg

PS: hier gehts zum Artikel „LowCarb mit Kindern – Teil1 – Bestandsaufnahme“

LOWCARB BASICS – INTENSIVKURS

Ein Kurs für:
Interessenten für gesunde Ernährung, Stoffwechselerkrankte, Autoimmunerkrankte, ein paar-Kilo-zuviel-Leidende, Sportler die eine Leistungssteigerung wünschen, Leute, die vitaler und leistungsfähiger (körperlich und geistig) werden wollen, Krebspatienten und Angehörige, Skeptiker, Therapeuten und Ernährungstrainer aller Art

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Jörg Kiel

Unternehmer I Ausdauersportler I Motivator | Coach bei JK TRAUMHAUS
„Häuserbauender Marathonläufer – marathonlaufender Häuserbauer“, außerdem Coach und Motivator in Ernährung und SportJörg Kiel – im Hauptberuf selbständig beschäftigt mit der Planung und dem Vertrieb von Häusern – entdeckte die Vorteile der LowCarb- bzw. ketogenen Ernährung mehr oder weniger im Selbstversuch und bekämpfte damit erfolgreich seine starke asthmatische Pollenallergie. Neben einer allgemein stark verbesserten Lebensqualität und 20 kg Gewichtsabnahme konnte er damit seine ausdauersportlichen Aktivitäten endlich zielgerichtet betreiben und bildete sich in Trainingssteuerung und genetisch korrekter Ernährungslehre weiter. Entgegen aller allgemeingültigen Meinungen aus der Sporternährung lief er die Marathondistanz unter drei Stunden, sowie Ultraläufe bis zu 125 km nonstop ohne jegliche Aufnahme von Kohlenhydraten.Er bezeichnet sich selbst als lebendiges Beispiel und Selbstversuchsobjekt für geballte Power, höchste Leistungsfähigkeit, Nimmermüdigkeit, Streß- und Krankheitsresistenz sowie pures Wohlbefinden durch konsequente genetisch korrekte Ernährung und artgerechte Bewegung.