Wie kam ich zu LowCarb? Ein etwas anderer, steiniger Weg mit vielen Erfahrungen

Da viele Leser offenbar denken, ich sein hier der Vorzeige-LowCarb-Sportler, habe ich mich entschlossen, mal in groben Zügen zu beschreiben, wie mich die Thematik ereilt hat und seitdem nicht mehr loslässt.

Ich habe am 01.01.2011 angefangen, leistungsorientiert in Richtung Marathonlauf zu trainieren. Laufen tue ich mit Pausen seit 1987, also seit dem 12. Lebensjahr. In der Jugendzeit war ich schon mal ganz gut, aber immer trainingsfaul. Ergo hatte ich mich bei Wettkämpfen immer furchtbar gequält und hatte irgendwann keine Lust mehr drauf. In den 90ern habe ich Kampfrichter- und Trainerlehrgänge absolviert, war also sportfachlich immer gut dabei. 1999 ereilte mich wie aus heiterem Himmel eine schwere Pollenallergie, die mit Bronchialasthma einherging, mich mehrfach in lebensbedrohliche Zustände brachte und ein Laufen nahezu unmöglich machte. Auf meine Frage, warum ich ohne genetische Veranlagung oder sonstige ersichtliche Gründe so etwas bekomme konnte, erwiderte mein Hausarzt lapidar „Umwelteinflüsse“. Neben den allergischen Beschwerden plagten mich chronische Rückenschmerzen. Sehr ungewöhnlich im zarten Alter von Mitte 20, aber ich schob es auf Stress und schlechte Haltung. Mein Arzt fand die Argumentation gut, verschrieb dann und wann ein Schmerzmittel und hatte seine Ruhe. Die Folge waren jahrelange Gaben von hochdosiertem Cortison, um das Leben in den Sommermonaten wenigstens einigermaßen erträglich zu machen. Der Versuch, dieses Teufelszeug wegzulassen und alternative Mittel einzusetzen, endete darin, dass ich wochenlang nachts aufgrund Atemnot und Bronchialhusten nicht wirklich schlafen konnte und einmal beim Rasenmähen fast erstickt wäre.

Ab 2002 bin ich ein bis zweimal pro Woche mit ein, zwei Kumpels gejoggt. Aber eigentlich nur, weil das Bier danach besser schmeckte. Im Frühjahr 2010 kam einer der Kumpels auf mich zu und bat mich, ihn für den Frankfurt-Marathon zu trainieren, für den er sich hatte überreden lassen. Da ich ein Perfektionist bin und für ihn das Optimum rausholen wollte, bildete ich mich erstmal mit aktueller Trainingslehre weiter. Das Marathontraining baute ich mit Elementen meines heutigen Trainers Peter Greif auf, welche ich mir über das Internet zusammensuchte. Als wir dieses Training begannen, wog ich satte 90 kg bei 25% Körperfett. Beim Anblick in den Spiegel wurde mir schlecht. Ich hatte mich in den letzten Jahren null komma null um meine Ernährung geschehrt und mir jeden Mist unter der Nase reingeschoben. Im Nachhinein der Grund für meinen desolaten Gesundheitszustand. Mein Kumpel sah nicht viel besser aus, aber durch das Training und weniger Essen hungerten wir uns mühsam runter. Er finishte dann seinen ersten Marathon (der bislang auch der einzige blieb, denn er ist wieder nachlässig geworden) in 3:41:47 Stunden – bei einer Zielzeit von 4:15 Stunden. Das werde ich nie vergessen – ohne Uhr, ohne Ahnung, alles nach Körpergefühl und im Baumwollshirt – aber nahezu mühelos. Das war meine Initialzündung – nach dem Motto „Wenn der das schafft, schaffe ich das auch.“ Ich rief sofort am nächsten Tag Peter Greif –der noch heute mein Ferntrainer ist- an und wir stellten fest, dass wir zusammenpassten wie die Faust aufs Auge. Er stellte mir meinen ersten Trainingsplan zusammen – damals noch basierend auf vier Trainingseinheiten pro Woche.

Bei meinen weiteren Recherchen zu Training und Ernährung stieß ich auf einen gewissen Dr. Strunz. Zu diesem Zeitpunkt wog ich noch 80 kg. Zuhause bließ mir ein eiskalter Wind zu den Themen Laufen und Ernährung ins Gesicht. Meine Frau -schulmedizinische Krankenschwester- tat Greif und Strunz als Spinner ab und boykottierte alles aus dieser Richtung. Aus ihrer Sicht völlig richtig, denn ich verhielt mich teilweise absolut daneben in dieser Richtung und versuchte, meiner Familie zwanghaft meine neuen Erkenntnisse aufzubürden. Irgendwie spürte ich aber, dass es der richtige Weg sein könnte und las sämtliche damals verfügbaren Bücher wie „Leben ohne Brot“ oder „Warum macht die Tomate dick?“. Damit werkelte ich in jeder freien Minute küchentechnisch vor mich hin und verärgerte meine Familie mit den aus ihrer Sicht „geschmacklosen“ Speisen.
Die Carbs habe ich nicht von heute auf morgen komplett reduziert, sondern gefühlte zweitausend Varianten ausprobierte. Mit einem Kilo Obst am Tag anstatt Brot fing es an, die Sache mit Weizen und Gluten und alle Zusammenhänge hab ich erst viel später verstanden. Alles an mir selber ausprobiert und dann von einem meiner besten Lauffreunde – seines Zeichens promovierter Chemiker – fachlich detailliert erklärt bekommen. Wenn wir beide die Köpfe zusammengesteckt haben, wurde es heiß – wir haben Ernährungstagebuch geführt, Ketose durch Blutabnahme gemessen und und und. Meine Frau ist fast Amok gelaufen, weil sich alles nur noch um diese eine Sache drehte. Ihre Reaktion war völlig verständlich. Aber ein Gutes hatte es – nur deshalb weiß ich heute so viel.

Das leistungsorientierte Training ging dazu parallel weiter. Ich finishte meinen ersten Marathon im Mai 2011 in 3:21:45 – mit starker Erkältung und bei tropischen Wetterverhältnissen. Ich würde heute niemals mehr mit Erkältung oder sonstiger gesundheitlicher Beeinträchtigung bei einem Rennen an den Start gehen, aber damals war ich so unvernünftig. Ich traue es mich kaum zu schreiben – bei den ersten beiden Marathonvorbereitungen habe ich bei allen langen Läufen zwischendurch Kohlenhydrate gefuttert, weil ich Angst hatte, ohne diese „umzufallen“. Entsprechend schlecht trainiert war anfangs mein Fettstoffwechsel und ich quälte mich trotz gutem Training und ausreichend langer Läufe in der Vorbereitung in der Schlußphase der ersten drei Marathon fürchterlich.

Das wiederum war aber mein Ansatz für weitere Experimente an mir selbst und ich wagte mich an Nüchternläufe. Nach einer schweren Achillessehnenverletzung mußte ich mich sowieso komplett neu aufbauen, dann mache ich das halt gleich nüchtern – so dachte ich. Und es funktionierte prima. Meine Ernährung hatte ich zwischenzeitlich stabil in eine ketogene Form gebracht. Nach einer Anpassungsphase dachte ich, jetzt sei ich völlig übergeschnappt, denn ich glaubte beim Laufen zu fliegen – so leicht ging es. Im Februar 2013 hatte ich mein absolutes Traumgewicht von 67,5 kg bei unter 12% Körperfett und weit über 40% Muskelmasse. Durch weitere, ergänzende Trainingsoptimierung mit zusätzlichen morgendlichen Zusatzlaufeinheiten kam ich kurzfristig in eine unglaublich gute Form. Nur vier Monate, nachdem ich vor Freude heulte, weil ich mal wieder ein paar winzige Kilometer schmerzfrei traben konnte, durchbrach ich beim Würzburg-Marathon – erneut bei schwierigen äußeren Bedingungen und auf einer nicht wirklich schnellen Streck e- die für uns Marathonläufer so magische „Drei-Stunden-Schallmauer“ deutlich und ging nach 2:55:52 Stunden über die Ziellinie. Ein Moment, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Es wahr auch gleichsam einer der emotionalsten. Solche Momente wünsche ich jedem Menschen von ganzem Herzen. Das und nur das ist der Hintergrund, wenn ich manchmal augenscheinlich platte Sprüche klopfe wie „Beweg‘ Deinen Hintern, runter von der Coach, mach‘ was aus Dir und Deinem Leben“. Wer so etwas auch nur einmal annähernd erlebt hat, der will nie wieder dickbäuchig, blutleer und antriebslos durchs Leben schleichen – so wie auch ich es früher getan habe.

Es ist auch gleichzeitig mein Antrieb –neben meiner zeitlich anspruchsvollen Tätigkeit als Unternehmer – weitere Menschen von den Perspektiven einer LowCarb-/ketogenen Lebensweise (ich schreibe bewusst nicht „Diät“!) zu überzeugen und heranzuführen. Wie Ihr anhand meiner Artikelserie „LowCarb mit Kindern“ sicherlich schon erahnen könnt, hat sich auch im familiären Bereich zu diesem Thema einiges geändert. Ich habe schlicht und ergreifend gelernt, irgendwann auch mal einfach nur die Klappe zu halten – ganz platt ausgedrückt. Meine Frau wiederum hat sich daraufhin selbst mit der Materie beschäftigt, wenn auch anfangs sehr zaghaft. Aber auch sie hat irgendwann erkannt, dass ich mich nicht nur wichtig machen will oder Recht haben will, sondern dass mir an der Ernährung von ihr und unseren Kindern sehr viel liegt. Heute ist das Thema LowCarb/ketogene Ernährung bei uns ein positives, von allen gelebtes und kein aufgezwungenes mehr. Meine Frau hat gerade eben wieder einen neuen ketogenen Kuchen gebacken – von sich aus. Meine Kinder haben Spaß daran, mit uns gemeinsam „gesundes Nutella“ und Käsecracker herzustellen. Jeder lebt es auf seine Weise, wenn auch nicht ganz so konsequent wie ich. Auch hier gilt wie beim Sport, dass jeder die positiven Auswirkungen an sich selbst verspüren muss, sonst ändert er nichts.

Zu guter letzt werdet Ihr wissen wollen, was aus meinen Krankheiten geworden ist. Die Antwort ist einfach: NICHTS. Als meine Pollenallergie das erste Mal ohne Cortison und sonstige Medikamentengabe deutlich milder ausfiel und ich keine Atemnot mehr hatte, wollte mir meine Frau das noch als „schubweise Veränderung“ erklären. Als im Folgejahr überhaupt keine Symptome mehr da waren und es bis heute nicht sind, war klar, dass die Ursachen für die Heilung nur in der Ernährungsumstellung zu begründen sind. Die weiteren positiven Auswirkungen würden ein ganzes Buch alleine füllen.

Im März 2013 ließ ich eine sehr umfangreiche ganzheitliche sportmedizinische Untersuchung am renommierten Olympiastützpunkt Innsbruck durchführen. Neben durchweg positiven Blutwerten (die sich nicht nur im „durchschnittlich kranken“ Referenzbereich befinden) attestierte man mir auch eine ideale Körpermassezusammensetzung, sowie eine allgemeine Leistungsfähigkeit von 185% über dem Durchschnitt aller gleichaltrigen, gleichgeschlechtlichen Personen. Zur Erinnerung: nur drei Jahre zuvor schleppte ich mich mit fast 25 kg mehr auf den Rippen hochallergiekrank und kraftlos durchs Leben.

Ich will mich hier nicht selbst „beweihräuchern“, sondern Euch allen Mut machen, über Euer Leben nachzudenken und durch genetisch korrekte Ernährung und artgerechte Bewegung aus dem „Schnarchmodus“ in den „Raketenmodus“ umzuschalten. Es funktioniert. Ich bin nur ein Beispiel von vielen. Dabei wünsche ich Euch maximalen Erfolg.

Jörg Kiel

Liebe Grüße sendet Euch

Jörg

LOWCARB BASICS – INTENSIVKURS

Ein Kurs für:
Interessenten für gesunde Ernährung, Stoffwechselerkrankte, Autoimmunerkrankte, ein paar-Kilo-zuviel-Leidende, Sportler die eine Leistungssteigerung wünschen, Leute, die vitaler und leistungsfähiger (körperlich und geistig) werden wollen, Krebspatienten und Angehörige, Skeptiker, Therapeuten und Ernährungstrainer aller Art

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Jörg Kiel

Unternehmer I Ausdauersportler I Motivator | Coach bei JK TRAUMHAUS
„Häuserbauender Marathonläufer – marathonlaufender Häuserbauer“, außerdem Coach und Motivator in Ernährung und Sport Jörg Kiel – im Hauptberuf selbständig beschäftigt mit der Planung und dem Vertrieb von Häusern – entdeckte die Vorteile der LowCarb- bzw. ketogenen Ernährung mehr oder weniger im Selbstversuch und bekämpfte damit erfolgreich seine starke asthmatische Pollenallergie. Neben einer allgemein stark verbesserten Lebensqualität und 20 kg Gewichtsabnahme konnte er damit seine ausdauersportlichen Aktivitäten endlich zielgerichtet betreiben und bildete sich in Trainingssteuerung und genetisch korrekter Ernährungslehre weiter. Entgegen aller allgemeingültigen Meinungen aus der Sporternährung lief er die Marathondistanz unter drei Stunden, sowie Ultraläufe bis zu 125 km nonstop ohne jegliche Aufnahme von Kohlenhydraten. Er bezeichnet sich selbst als lebendiges Beispiel und Selbstversuchsobjekt für geballte Power, höchste Leistungsfähigkeit, Nimmermüdigkeit, Streß- und Krankheitsresistenz sowie pures Wohlbefinden durch konsequente genetisch korrekte Ernährung und artgerechte Bewegung.